
Mokka ist nicht nur ein Getränk
Es ist Kultur & Ritual
In vielen Kulturen ist das Lesen des Mokkaabsatzes ein stilles Ritual, das Zeit, Aufmerksamkeit und Intuition erfordert. Der Kaffee wird bis zum letzten Schluck getrunken, der feine Satz bleibt in der Tasse zurück.
Durch behutsame, kreisende Bewegungen und das anschließende Ruhen entstehen an den Innenwänden Muster und Spuren, die Geschichten erzählen.
Mokka ist für mich mehr als Material,
er ist Bewegung, Moment und Anfang. Aus dem Zusammenspiel von Zeit, materialimmanenten Prozessen und Beobachtung entstehen Spuren, die nicht geplant sind, sondern sich zeigen. Sie geben keinen fertigen Weg vor, sondern eine Richtung.
Der Mokka-Absatz setzt Impulse, und ich begegne ihnen offen. Linien verdichten sich, Flächen öffnen sich. In Verbindung mit Acryl entstehen Oberflächen, die lebendig wirken, fühlbar und vielschichtig sind, begleitet von der unverwechselbaren Duftnote des Mokkas, die jüngere Werke noch physisch trägt. So wird Malen zu einem leisen Dialog zwischen Material und Gefühl.




Von Material, Ursprung und Form zur Geschichte
Die Materialien, mit denen ich arbeite, tragen Geschichte in sich. So wie der Mokka ein kulturelles Erbe ist, gehört auch der Mastix zu den überlieferten Schätzen meiner Herkunft.
Der bekannteste und reinste Mastix stammt von der griechischen Insel Chios. Dieses natürliche Harz wird seit dem 16. Jahrhundert als Firnis verwendet. Seine Reinheit, seine Schutzfunktion und seine zeitlose Qualität faszinieren mich. In einigen meiner Werke integriere ich Mastix bewusst als natürliches Bindemittel und Oberfläche. Wie der Mokka ist auch Mastix ein reines, nachhaltiges Naturprodukt.




Mokka selbst ist kein regional begrenztes Getränk, sondern ein kulturelles Band, das sich vom Balkan bis in den Orient spannt.
Mit dieser Weite kommen unterschiedliche Aromen und Rituale. Auf Chios wird Mokka mit Mastix verfeinert, im Orient mit Kardamom. In diesen Variationen liegt für mich eine stille Einigkeit mit unterschiedlichen Nuancen und einem gemeinsamen Ursprung.
Der Mokka-Absatz verleiht meinen Arbeiten Rhythmus, Tiefe und eine innere Ordnung die nicht geplant, sondern emergiert. Was das Material im Fließen hinterlässt, übersetze ich behutsam in eine Bildsprache – durch Beobachtung, Identifikation und Benennung. So wird aus einem alltäglichen, kulturell tief verwurzelten Ritual ein stiller, sinnlicher Prozess, der sich materiell entfaltet und Raum für eigene Deutungen lässt.
Kulturelle Spuren und sinnliche Erinnerungen finden ihren Weg in meine Motive – nicht als Abbild, sondern als Haltung, als materielle Präsenz. In einzelnen Werken öffnet sich dieser Raum weiter: Kardamom trägt eine zusätzliche sensorische Dimension in das Bild, während Mastix ausgewählten Arbeiten Schutz und eine sanfte, natürliche Versiegelung verleiht.
Jedes meiner Werke wächst aus dem Zusammenspiel von Material, Prozess und Zeit – und trägt seine eigene Geschichte in sich.


Das Arbeiten mit Mokka-Absatz
Das Arbeiten mit Mokka-Absatz ist anspruchsvoll und widersetzt sich jeder klassischen Malroutine. Kaffeesatz ist schwer kontrollierbar. Er folgt keinen festen Regeln, reagiert auf Zeit, Feuchtigkeit und Umgebung, trocknet schnell und beginnt ohne die richtige Fixierung zu zerbröseln.
Gerade die Fixierung ist eine der größten Herausforderungen dieser Technik. Nach vielen Versuchen, Tests und Fehlwegen habe ich eine eigene Materialkombination entwickelt, die es ermöglicht, den Mokka dauerhaft auf dem Canvas zu bewahren. Nur durch das präzise Zusammenspiel der richtigen Materialien bleibt der Kaffeesatz erhalten, ohne seine natürliche Struktur, Tiefe und Sinnlichkeit zu verlieren.
Mokka widersetzt sich klassischen Maltechniken. Er fließt, sedimentiert, trocknet und reißt nach seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten – nicht nach meinen Absichten. Er altert, verändert sich, trägt seine sensorische Geschichte in sich und reagiert auf seine Umgebung. Diese Eigenschaften machen ihn lebendig, aber auch unberechenbar. Er passt nicht in akademische Standards und lässt sich nicht normieren – und genau darin liegt seine Kraft.
Meine Praxis entsteht aus Geduld, Erfahrung und Vertrauen in das Material. Ich arbeite nicht gegen den Mokka, sondern mit ihm – ich beobachte, was er tut, und lese darin, was entstanden ist. So wird aus einem fragilen, prozessualen Material ein dauerhaftes Werk, das Zeit, Transformation und Berührung in sich trägt.






